Donnerstag, 13 Dezember 2012 12:16

Brandereignis GVG in Köln-Niehl

Anfrage zum Brandereignis GVG in Köln-Niel

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Frau Dr. Müller

die Freien Wähler Köln bitten Sie, folgende Anfrage auf die Tagesordnung des
nächsten Ausschusses zu nehmen:

Selbst wenn der Sachverhalt als bekannt vorausgesetzt werden kann, hier dennoch
einige Vorbemerkungen zum Brandereignis und dem betroffenen Unternehmen:

Am 25.07. 2012 kam es gg. 18.00 zu einem Großbrand bei der
Gewerbeabfallsortierung und Verwertungsgesellschaft Köln mbH (GVG) in Köln-
Niehl, einer Tochtergesellschaft der Abfallentsorgungs- und Verwertungsgesellschaft
Köln mbH (AVG).
Die GVG betreibt u.a. auch hier eine Aufbereitung und Verwertung von gemischten
hausmüllähnlichen Gewerbeabfällen, Baustellenabfällen sowie Altholz und Sperrmüll.

Am Standort in Köln-Niehl an der Geestemünder Straße stand in kurzer Zeit eine
ca. 40 – 60 m große Halle (Baujahr 2004), welche zur Aufbereitung von gemischten
hausmüllähnlichen Gewerbeabfällen sowie Sperrmüll genutzt wurde, in Flammen.

Einer Information der Geschäftsführung der GVG zu Folge, „füllte ein GVG-
Mitarbeiter einen Schredder mit gemischten Gewerbeabfällen, um selbige für
die Verbrennung in der MVA zu konditionieren. Hierbei wurde eine Flüssigkeit
freigesetzt, die sich schlagartig entzündete und schnell ausbreitete. Der Schredder
und die Abfälle standen unmittelbar in Flammen. Löschversuche mit den

vorhandenen Löscheinrichtungen (Wandhydranten) konnten aufgrund der schnellen
Ausbreitung des Feuers nicht erfolgen.“

Die GVG-Anlage dient hier somit als Vorsortieranlage für die auf der anderen
Straßenseite in einigen 100 Metern entfernte Müllverbrennungsanlage. Seit Jahren
gibt es in diesem Zusammenhang Kritik aus Reihen der Kölner Bevölkerung
(Bürgerinitiativen), die diese Anlage als überdimensioniert betrachten, die darüber
hinaus nur zu einem Mülltourismus aus anderen Städten und Kommunen beitrage.
Auch sei die „wahnsinnig hohe Kapazität mit ein Grund für das dauernde Ausbrechen
und die Unkontrollierbarkeit von Bränden, jetzt schon zum 3. Mal – noch dazu in
einer wahnsinnigen Dimension.“



Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch an die vorherigen 2 Brände und das im
Jahre 2011 angeleierte Genehmigungsverfahren zur Erweiterung der Kapazität und
zur Sortierung und Lagerung von A IV-Althölzern.

Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens hatte die BI „Wohnen und Umwelt“
Kölner Norden e.V. die Bedenken dargelegt und den aus ihrer Sicht unzulänglichen
Brandschutz kritisiert.
Selbst die Feuerwehr habe – so die Bürgerinitiative, beim Erörterungstermin
hinsichtlich dem Änderungsgenehmigungsverfahren der GVG Köln mbH zur
Errichtung und Betrieb einer Anlage zur zeitweiligen Lagerung, zum Umschlagen
und zur Behandlung von gefährlichen Abfällen am Standort Geestemünder Str.
20 zugegeben, dass „bei solchen Sortieranlagen ein 100 %iger Brandschutz
nicht gewährleistet werden könne. ….. Dabei ist aus unserer Sicht das Entstehen
gesundheitsgefährlicher Schadstoffe, u.a. auch Dioxine und Furane, ein erhebliches
Problem für die Bevölkerung…. „

Auch darf hier nicht der Hinweis auf ein sich in unmittelbarer Nachbarschaft
befindendes Chemie-Unternehmen (Akzo Nobel Chemicals GmbH) fehlen.

So zeigt sich leider, dass mit dem am 25.07.2012 ausgebrochenen Großbrand,
der erst nach 3 Tagen endgültig unter Kontrolle gebracht werden konnte, die
vorgebrachten Befürchtungen mehr als erfüllten. Wäre auch Sondermüll in der GVG
Anlage mit verbrannt, wäre das Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung noch weit
höher ausgefallen, so die BI.

Somit stellen sich u.a. folgende Fragen:

1. Sieht die Verwaltung die Möglichkeit, die Gewerbeabfallsortierung an einen
neuen Standort zu verlagern und somit gleichfalls das Risiko eines sich auf
angrenzende Betriebe ausweitenden Großbrandes zu begrenzen?

2. Wann ist mit der Umsetzung des aktuellen Brandschutzkonzeptes zu
rechnen? (Einbau von Löschkanonen, speziellen Wärmebildkameras usw. )?

3. Wie beurteilt die Verwaltung nach diesem Brandereignis den vorliegenden
Genehmigungsantrag auf Erweiterung der jetzt schon zu hohen Kapazität
für die Behandlung und Lagerung von zusätzlichen A IV – Althölzern
(Sondermüll) auf dem Gelände der GVG bzw. bei welcher Kapazität sieht die
Verwaltung die Grenze des Verantwortbaren erreicht?

4. Welche Möglichkeiten der Sichtung und Vorsortierung bzw. Änderung der
Arbeitsabläufe sieht die Verwaltung, um ein derartiges Brandereignis für die
Zukunft nahezu auszuschließen?

5. In welcher Art und Weise sind die zum Einsatz kommenden Maschinen
gekapselt (gesichert), damit diese nicht selber die mögliche Ursache eines
Brandes sind?

Mit freundlichen Grüßen
gez.
Klaus Hoffmann

 

Antwort der Verwaltung

Die Fragen hinsichtlich des Brandereignisses bei der GVG werden in Zusammenarbeit mit der AVG und der Feuerwehr wie folgt beantwortet:
1. Sieht die Verwaltung die Möglichkeit, die Gewerbeabfallsortierung an einen neuen Stand-ort zu verlagern und somit gleichfalls das Risiko eines sich auf angrenzende Betriebe ausweitenden Großbrandes zu begrenzen?


Für den Betriebsstandort der GVG wird derzeit ein sicherheitstechnisches Gutachten durch einen externen Sachverständigen erstellt. Neben der Analyse der Schadensursache und des Scha-densverlaufes sollen notwendige Brandschutzmaßnahmen (auch im Hinblick auf benachbarte Betriebe) untersucht werden. Auf Basis des Gutachtens werden dann sollen Maßnahmen zur Ri-sikobegrenzung umgesetzt.


2. Wann ist, zur Minderung des aktuell hohen Brandrisikos, mit der Umsetzung des be-schlossenen neuen Brandschutzkonzeptes zu rechnen, sowohl was technische Einbauten wie Löschkanonen, speziellen Wärmebildkameras usw. angeht als auch in Bezug auf eine bessere, zeitnahe Information der benachbarten Bevölkerung bei Gefahrenereignissen wie dem jüngsten Brand (Lautsprecherwagen für ältere Menschen etc.)?


Die Installation der Wärmebildkameras für die Brandschutzdetektion wurde vom beauftragten Un-ternehmen für November 2012 zugesagt. Bis zur Inbetriebnahme der Kameras werden in den be-triebsfreien Zeiten regelmäßige Kontrollen mit einer mobilen Wärmebildkamera durchgeführt. Die Löschkanonen sind zurzeit in Planung und werden voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2013 installiert.
Zum Brandereignis am 25.07. hat die GVG eine offene, zeitnahe und ausführliche Presse- und Medieninformation umgesetzt.
Hinsichtlich der Frage zur besseren Information der benachbarten Bevölkerung teilt die Feuer-wehr mit, dass die Stadt Köln über ein mehrstufiges System zur Warnung der Bevölkerung bei Schadensereignissen verfügt. Nachdem der Bund Anfang der 1990er Jahre seine Zivilschutzsirenen abgebaut hat, hat die Stadt Köln Mitte der 1990er Jahre begonnen, moderne Sirenen nach Prioritätsstufen zu errichten. In der ersten Prioritätsstufe wurden Sirenen im Umfeld der chemischen Industrie aufgebaut, in der zweiten entlang des Rheinstroms. Zurzeit erfolgt die Planung der letzten Stufe, um dann auf ein flächendeckendes Sirenennetz in Köln zurück greifen zu können. Weite Teile des Kölner Nordens sind schon seit Ende der 1990er Jahre mit Warnsirenen erreich-bar. Zuletzt wurden diese Sirenen, neben den regelmäßigen Probealarmen, bei dem INEOS Großbrand 2008 ausgelöst. In engen zeitlichen Zusammenhang mit der Auslösung der Sirenen erfolgt eine Radioinformation über das Schadensereignis und das richtige Verhalten der Bevölkerung. Hierbei kann die Leitstel-le der Feuerwehr Köln unmittelbar auf das Programm von Radio Köln zurückgreifen. Bei Ereig-nissen am Stadtrand werden auch die Nachbar Leitstellen informiert, damit die Informationen auch von den angrenzenden Lokalradio Stationen ausgestrahlt werden. Bei größeren Schadensereignissen wird das Lagezentrum im Innenministerium NRW alarmiert, um überregionale Warnungen über die Medien senden. Ferner verfügt die Feuerwehr Köln über Lautsprecherfahrzeuge, mit denen vorbereitete Warntex-te, aber auch Durchsagen über Mikrofon verbreitet werden können. Das Informationssystem erstreckt sich auch auf Medien wie Internet, Facebook etc. Neue Ent-wicklungen von Warnmöglichkeiten wie Warnsysteme des Bundes, die SMS-Warnung usw. wer-den ständig verfolgt und bei Eignung in das städtische Warnverfahren einbezogen.
Weiterhin nimmt die Feuerwehr Stellung dazu, wie die Brandausbreitung hätte eingeschränkt werden können und welche Maßnahmen zukünftig ergriffen werden sollten. Sie weist hierbei auf folgende Punkte hin:


• Die Brandausbreitung in der Sortierhalle hätte stark eingeschränkt werden können, wenn die Mitarbeiter der GVG brandlastfreie Schneisen rund um den ursprünglichen Brandort ge-schaffen hätten. Solche brandlastfreien Zonen zwischen den einzelnen Bunkerbereichen innerhalb der Halle, sind gegebenenfalls in einer neuerlichen Genehmigung der Anlage als Auflage zu formulieren.


• Zur Minimierung des Brandschadens hätte erfahrungsgemäß auch der gezielte Einsatz von Selbsthilfeeinrichtungen, wie Wandhydranten, bis zum Eintreffen der Feuerwehr beigetra-gen.
• Bei der ersten umfassenden Erkundung konnte zudem festgestellt werden, dass das Feuer auf das Inventar eines unmittelbar an die Hallenwand angrenzenden offenen, aber über-dachten, Schüttbunker übergriff.
• Besondere Gefahr ging von einer einsturzbedrohten Trapezblechwand aus, die zur be-nachbarten AKZO-Chemie gelegen war. Auf den nur durch einen Maschendrahtzaun abge-trennten und wenige Meter entfernten benachbarten Abstellgleisen der AKZO, befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch mehrere mit Chemikalien, u.a. Schwefelkohlenstoff, gefüllte Kesselwaggons. Die Außenwand zur AKZO-Chemie ist beim Neubau bis zum Dach in der Brandschutzqualität einer Brandwand auszuführen.
• Im Laufe des Einsatzes konnte eine Erwärmung benachbarter Holzspänebunker festgestellt werden, was auf Gärprozesse zurückzuführen war. Ob diese durch den Brand ausgelöst oder begünstigt wurden, ist von hier nicht zu beurteilen.
• Automatische Löschanlagen im Gesamtbereich der Halle, aber insbesondere auf den För-derwegen und an den Schreddermaschinen selbst, würden zur drastischen Begrenzung der betroffenen Brandbereiche führen.
• Eine Lagerhöhenbegrenzung und brandlastfreie Wege in der Halle führen zu einer Begren-zung der möglicherweise betroffenen Brandbereiche und begünstigen die Löschmöglichkeit des abwehrenden Brandschutzes (ggf. noch Innenangriff möglich).
• Bei Löschwassermengen von bis zu 10.000 l/min, kommt der Vorhaltung einer ausreichen-den Löschwasserrückhalteanlage auf dem Gelände eine hohe Bedeutung zu.
• Aus Sicht des vorbeugenden Brandschutzes wird für die neue Genehmigungslage empfoh-len, den Hinweis aufzunehmen, dass auf den Einsatz von mobilen Schredderanlagen mit Tanks von bis zu 600 Liter Dieselkraftstoff verzichtet wird. ...“
Dies wurde auch der Bezirksregierung Köln im Rahmen einer Stellungnahme zum Brandereignis mitgeteilt, die für die Genehmigung des Neubaus der Anlage zuständig ist.

3. Wird das beschlossene Brandschutzkonzept nach dem jüngsten Brand überarbeitet, etwa in Bezug auf den Schutz des Grundwassers vor giftigem Löschwasser, Sicherheitsab-ständen zu benachbarten, brandgefährdeten Gewerbebetrieben, Ausschluss der Verarbei-tung von Materialien, die im Brandfall eine erhöhtes Gefährdungspotential für die benach-barte Bevölkerung beinhalten, zusätzliche Sicherung der zum Einsatz kommenden Ma-schinen durch Kapselung, damit diese nicht selber die mögliche Ursache eines Brandes werden können etc.?

Die angesprochenen Fragen sollen im Rahmen des sicherheitstechnischen Gutachtens (vgl. Antwort zu Frage 1) berücksichtigt werden. Es ist aber bereits heute davon auszugehen, dass die ohnehin geplanten Maßnahmen zum Brandschutz durch weitere Maßnahmen ergänzt werden. Wir bitten um Verständnis, dass wir bezüglich konkreter weiterer Maßnahmen dem Gutachten nicht vorgreifen wollen.

4. Wie beurteilt die Verwaltung nach diesem Brandereignis den vorliegenden Genehmi-gungsantrag auf Erweiterung der jetzt schon zu hohen Kapazität für die Behandlung und Lagerung von zusätzlichen A IV – Althölzern (Sondermüll) auf dem Gelände der GVG bzw. bei welcher Kapazität sieht die Verwaltung die Grenze des Verantwortbaren erreicht?

Der Genehmigungsantrag der GVG zur Lagerung, Umschlag und Behandlung von A IV-Althölzern beinhaltet keine Erweiterung der Kapazität des GVG-Standortes. Eine Kapazitätser-weiterung war und ist auch nicht Bestandteil eines laufenden oder geplanten Genehmigungsver-fahrens. Im Rahmen des sicherheitstechnischen Gutachtens soll insbesondere auch zur Lage-rung und Brandabschnittsbildung Stellung genommen werden.

5. Welche Möglichkeiten der Sichtung und Vorsortierung bzw. Änderung der Arbeitsabläufe sieht die Verwaltung, um ein derartiges Brandereignis für die Zukunft nahezu auszu-schließen?

Die Auswertung und Bewertung der vorhandenen Annahmekontrollen sind ebenfalls Inhalt des sicherheitstechnischen Gutachtens.

gez. Reker

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