Freitag, 03 September 2010 02:30

26.07.2010 Tiersterben am Aachener Weiher

Tiersterben am Aachener Weiher Anfrage von Ratsmitglied Klaus Hoffmann (Freie Wähler Köln) AN/1391/2010
 

 

Nachdem tagelang Wasservögel (Enten) und hunderte von Fischen (Brassen) qualvoll aus unterschiedlichen Gründen verendeten, ging eine Welle der Empörung von Bürgerinnen und Bürgern sowie den auswärtigen Besuchern des Aachener Weihers aus. Zu großem Unverständnis und noch größerem Ärgernis führten dann die von den Herren Hupke und Dr. Bauer getätigten Aussagen und sarkastischen Witze in der vor Ort durchgeführten Pressekonferenz am letzten Freitag (16.7. 14.00 Uhr). Mit großer Entrüstung mussten die versammelten Presseleute und Bürger zur Kenntnis nehmen, dass keinerlei Rettungsaktionen aktiver oder passiver Art für das bevorstehende Wochenende geplant waren. Das Ergebnis ist bekannt. Weitere Enten starben durch das Botulintoxin während über 150 Fische an Sauerstoffmangel verendeten.
 
Auch hat die Bevölkerung kein Verständnis dafür, dass sich niemand für die Entsorgung der toten Tiere (Feuerwehr, Polizei, Ordnungsamt, etc.) verantwortlich zeigte oder erreichbar war (Veterinäramt, Gesundheitsamt, etc.). Aus der Sicht befragter Fachleute müssen vergiftete bzw. verseuchte (Botulintoxin) Wirbeltiere (Enten) umgehend entsorgt werden. Auch die verendeten Fische lagen bei großer Hitze sowohl im Wasser als auch auf dem Weg rund um den Weiher.
 
In einzigartigem Einsatz haben Kölner Bürgerinnen und Bürger sowie auswärtige Tierrettungsspezialisten uneigennützig und unter noch unbekannten gesundheitlichen Gefahrenpotential wenigstens die 3 verbliebenen Schwäne gerettet. Mehrere erkrankte Enten werden inzwischen bei Privatleuten in deren Gärten gesund gepflegt.

Alle Medien NRW-weit berichteten in großer Aufmachung über dieses Tiersterben. Ein solcher Imageschaden ist zukünftig von der Stadt abzuhalten.
 
1. Wer und in welcher Weise ist für den Erhalt eines für Menschen wie Tiere gesundheitlich unbedenklichen Zustandes der Parkanlage und des Weihers verantwortlich?
 
2. Wann hat das Amt des Oberbürgermeisters erstmals von dem massiven Tiersterben am Aachener Weiher erfahren und wie wurde darauf reagiert?
 
3. Warum konnten erst am Montag, dem 19.7. über 6 Fontänen 2 Pumpen zur Sauerstoffanreicherung einer Wasserzirkulation eingesetzt werden, obwohl absehbar war, dass ohne weitere Hilfsmaßnahmen am Wochenende (16.,17. & 18.7) ein Teil der Tiere sterben würde?
 
4. Welche Maßnahmen wurden nach dem Tiersterben am Aachener Weiher beschlossen, um Wiederholungen zu vermeiden?
 
5. Wie gedenkt die Stadt auf die Bürger zuzugehen, die mit großem Einsatz und unter Aufwendung eigenen Geldes geholfen haben, die Lage am Aachener Weiher zu entspannen?
 
 
Antwort der Verwaltung:
 
zu 1. Die Pflege und Herstellung der Verkehrssicherheit der Grünanlage inklusive des Weihers ist Aufgabe des Amtes für Landschaftspflege und Grünflächen.
 
zu 2. Die Koordinierung der Maßnahmen war Aufgabe des Baudezernates, mit dem die einzuleitenden Maßnahmen abzustimmen waren. Der Informationsfluss zum Amt des Oberbürgermeisters war sichergestellt.
 
zu 3. Ein solch auffälliges Wasservogel- und Fischsterben, wie es in den vergangenen Tagen und Wochen am Aachener Weiher aufgetreten ist, hat es an den Kölner Gewässern in der Vergangenheit nicht gegeben. Von daher kann gegenwärtig ausgeschlossen werden, dass ein „katastrophaler“ Gewässerzustand ursächlich ist. Im Gegenteil zeigt ein erstes Laborergebnis einer Wasserprobe des Aachener Weihers vom 21.07.2010 überdurchschnittlich gute Sauerstoffwerte auf.
 
Vielmehr liegt die Vermutung nahe, dass Botulismus die Ursache sein könnte.
 
Informationen aus dem Internet zufolge kommt es immer wieder zu verheerenden Massensterben unter wildlebenden Watt- und Wasservögeln. Die Todesursache heißt Botulismus - eine durch ein bakterielles Nervengift hervorgerufene Erkrankung, die fast stets zum Tode führt. Allein 1973 fielen drei schweren Botulismusausbrüchen in Spanien (Coto Doñana), den Niederlanden (Ijsselmeer) und in Deutschland (Ismaninger Speichersee bei München) zusammen mehr als 100.000 Vögel zum Opfer. Die bisher schlimmste Epidemie in der Bundesrepublik vernichtete 1983 in der Wedeler Marsch bei Hamburg mindestens 40.000 Vögel. In den USA sind solche Massensterben bereits seit Anfang des vorigen Jahrhunderts bekannt. Doch nicht nur Vögel erkranken. Vielmehr können alle Arten von Wirbeltieren davon betroffen sein - vom Kleinfisch bis zum Großsäuger. Beim Menschen ist die Erkrankung auch als "Wurstvergiftung" bekannt. Vom lateinischen Wort botulus für Wurst leitet sich der Name Botulismus ab. Botulismus tritt bei Wildvögeln weltweit mit Ausnahme der Antarktis auf. Verursacher des Botulismus ist das Bakterium Clostridium botulinum, das in Böden und Schlamm weltweit verbreitet ist. Es braucht zum Gedeihen relativ hohe Temperaturen, eine eiweißreiche Nährlösung sowie eine sauerstofffreie Umgebung.
 
Auch in Köln sind alljährlich während längerer Hitzeperioden mehr oder weniger tote Fische in den künstlich angelegten Teichen vorzufinden, die sich bei im Durchschnitt nur 1,50 Metern Wassertiefe stark erwärmen. Dies ist kein Hinweis auf eine „katastrophale“ Gewässersituation. Die in diesem Jahr am Aachener Weiher bestehende Problematik wurde deshalb zunächst leider als nicht so gravierend eingeschätzt, wie sich inzwischen herausgestellt hat.
 
zu 4. Seit zwei Wochen ist die Pumpe, welche Grundwasser über die Lindenthaler Kanäle in den Aachener Weiher einspeist, in Dauerbetrieb. Am 19.07.2010 wurden zusätzlich zwei Umwälzpumpen in den Weiher installiert, die ununterbrochen laufen. Gleichzeitig wurde eine permanente Frischwassereinspeisung aus einem Hydranten in den Teich am Museum für Ostasiatische Kunst vorgenommen. Mittels eines Überlaufs gelangt das Leitungswasser anschließend in den Aachener Weiher. Das Amt für öffentliche Ordnung kontrolliert bis auf weiteres verstärkt, ob das bestehende Fütterungsverbot eingehalten wird.
 
Es wurde nun veranlasst, dass der verantwortliche Angelverein den Fischbestand im Aachener Weiher auf ein ökologisch vertretbares Maß reduziert. Daneben muss die Ursache bekämpft werden. D.h. das sicherlich gutgemeinte Füttern der Tiere muss unterbleiben. Hierzu bedarf es der Information und der Sensibilisierung der Bevölkerung, damit die Warnung: „Wer füttert, tötet!“ verstanden und beachtet wird. Daher wird die Verwaltung die bereits aufgestellten Hinweistafeln kurzfristig durch weitere Schilder ergänzen. Diese sollen noch einmal eindringlich auf den Zusammenhang zwischen dem illegalen Füttern und dem Tod der Tiere bzw. dem Umkippen des Gewässers hinweisen. Ab Herbst dieses Jahres wird mit der bereits beschlossenen Sanierung der Lindenthaler Kanäle begonnen, über die der Aachener Weiher sein Frischwasser erhält, so dass sich die Fließgeschwindigkeit und auch die Qualität des in den Aachener Weiher einlaufenden Wassers verbessern wird. Patentrezepte für vorbeugende Maßnahmen gibt es nicht. Wichtig ist vor allem eine Verringerung der chemischen und thermischen Gewässerbelastung sowie die Verbesserung der Sauerstoffversorgung bedrohter Gewässer. Im Sommer werden die Gewässer nun regelmäßig kontrolliert und alle gefundenen Kadaver unverzüglich entfernt. Soweit ein erhöhtes Tiersterben zu verzeichnen ist, werden wieder zusätzliche Frischwassereinspeisungen vorgenommen und Umwälzpumpen installiert.
 
zu 5. Bisher sind die Bürger, die in Eigeninitiative für eine Behandlung der erkrankten Vögel gesorgt haben, der Verwaltung namentlich nicht bekannt. Gegebenenfalls wäre bei Vorlage entsprechender Belege eine Erstattung der Tierarztkosten möglich.


 
gez. Roters

Letzte Änderung am Samstag, 05 Mai 2012 17:48
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