Dienstag, 04 August 2015 22:19

Bauen wird nicht nur in Köln immer teurer

Eine Begründung liefert der folgende Bericht


Der rechtliche Rahmen des Bauens und die verbindlichen  technischen Standards entstehen in Deutschland ohne Mitwirkung der Parlamente. Die regierenden Politiker gestalten das Bauwesen mit Hilfe ihrer politischen Beamten unter Mitwirkung  wachstumsorientierter Interessengruppen. Minister verordnen per Erlass die VOB A, VOB B,  VOB C und die HOAI. Sie überwachen die Bauaufsicht und ihre Bauämter.  Die Politik hat das Bauwesen so eingerichtet,  das sie Bauprojekte mit teilweise völlig unrealistisch niedrigem Budget starten und anschließend das Bausoll ungehemmt erweitern können.   Deshalb ist Billigstvergabe und Nachtragsbauen integraler Bestandteil  der deutschen Baukultur geworden.   Solange regierende Politiker über eine Mehrheit im Rat/Parlament verfügen, kann man sein Bauprojekt nahezu grenzenlos  ausufern lassen. Ein unfertiges Bauwerk ist wie ein legales Loch in der Stadt-/Landes-/Bundeskasse.


Denn die Problematik liegt in einer Urkalkulation für Nachträge. Eine Lösungsvariante wäre Letztere zu verbieten.  Denn eine quasi Manipulation von Baubudgets auf unrealistisch niedrige Werte und die nachträglich nahezu grenzenlosen Nachträge sind rechtlich gesehen keine Untreue. Der aktuelle §266 ist bei Weitem nicht ausreichend gefaßt. Die Stadt/Land/Bund bekommen ja was fürs Geld.  


Die staatliche Ordnung des Bauwesens in Deutschland ist unstrittig sanierungsbedürftig. Es wird nicht dem Bauen und Betreiben von Bauwerken im 21 Jahrhundert gerecht.  Es ist zu kompliziert und fördert nicht das Vertrauen, das für gutes Bauen so wichtig ist. Es gibt viele Arten von Fehlanreizen.  Es muß auch niemand Zahlen manipulieren. Das System kann  streng nach Vorschrift eigentlich jede beliebige Zahl als Budget/Kosten zur Projektfreigabe erzeugen.  Darum wird das Bauen in Deutschland so unnötig teuer,  mühsam und produziert immer kurzlebigere Bauwerke.


Wie aber will man mit erkennbarer Ernsthaftigkeit die fehlerhafte Budgets und zwangsläufig sogenannte „Kostenexplosion“ verhindern. Dazu reichen jedoch Änderungen im Baurecht nicht.  Dazu müssen auch im Haushaltrecht Anpassungen gemacht werden. Das Haushaltsrecht müßte besser dem Wesen und der Dynamik von Bauprojekten gerecht werden. Dann würde es auch sicher kostendisziplinierend wirken.


Wie sinnvoll und wie effizient staatliche Einnahmen anschließend verwendet werden, ist komplett sekundär.  Die systembedingte Vernachlässigung der Ausgabenseite wird durch Berge von Vorschriften kaschiert. Gesetzliche Regelungen für sinnvolle und verantwortungsvolle Mittelverwendung sind eher folkloristischer Natur und strafrechtlich irrelevant.


Die einfachste und radikalste Lösung wäre die komplette Transparenz des Bauens und Betriebes öffentlicher Bauwerke.  Das würde bewusste Manipulation bei Bauprojekten früh erkennbar machen. Dadurch kann interveniert werden bevor ein gravierender Schaden entsteht. Dort gibt es sicher größte Widerstände und Legionen von Bedenkenträgern.  Wirkliche Transparenz wäre ein Baukulturwechsel. Die IT-/Web-Technologie macht wirkliche Transparenz in Verbindung mit erfahrenen Fachleuten der beteiligten Branchen und einem koordinierungsfähigem Führungskopf möglich.  Erst dann entsteht im Bauwesen ein echter Wettbewerb um Qualität, Zuverlässigkeit und Effizienz.


Beim Bauen geht es um sehr viel: Mit mehr als 300 Mrd. Euro Bauumsatz pro Jahr um viel Geld, mit mehr als drei Millionen Arbeitsplätzen im Baugewerbe um viele Menschen. Es geht auch um viel Zukunft, weil Bauwerke bleibend unseren Lebensraum prägen, die wir mit hohen laufenden Kosten viele Jahrzehnte unterhalten müssen.


Würde man das auf Köln umlegen, müßten große Teile der Kölner 10 Gebote neu geschrieben werden.


Dipl.-Ing. Detlef Hagenbruch

Letzte Änderung am Dienstag, 04 August 2015 22:38
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