Montag, 31 März 2014 13:51

Freie Wähler plädieren für Realismus in der Museumspolitik

In Köln sind wieder große Würfe angesagt. Wer nicht mit werfen will, ist schnell als Nörgler und Bedenkenträger abgestempelt. Den neuesten großen Wurf hat fast Alt-OB Jürgen Roters beim traditionellen "Herrenessen" im Stadtmuseum getätigt. Dessen Betrieb im maroden Zeughaus soll auf den Roncalli-Platz an den Dom verlegt werden. Dort könnte unmittelbar neben dem Römisch-Germanischen Museum, wo derzeit noch das abzureißende Kurienhaus der katholischen Kirche steht, ein gemeinsamer Komplex für beide historischen Museen entstehen. Die Finanzmittel für das Projekt stehen nach Angaben des OB ebenfalls bereit: die im Haushalt veranschlagten 27 Mio. Euro für die Renovierung des Stadtmuseums sollen die Kosten für den Neubau decken.

"An dieser Stelle wird es Zeit, ein wenig Realismus vom Oberbürgermeister einzufordern, auch wenn man Visionen nicht wie Altkanzler Helmut Schmidt beurteilen will", sagt Ratsmitglied Andreas Henseler von den Freien Wählern Köln. Darüber hinaus stellt er fest: "

  1. Wir leben in einer Stadt, in der ein Neubau einer blöden Holzbrücke über den Aachener Weiher am Museum für Ostasiatische Kunst schlappe 10 Jahre dauert.

  2. Die Probleme bei den Kulturbauten der Stadt sind immens -

    • der in Ausführung befindliche Neubau des Opern- und Schauspielhauses ist zwar im Zeitplan, hat aber das Finanzpolster von 20 Mio. Euro für Unvorhergesehenes bereits aufgebraucht;

    • für den geplanten Neubau des Stadtarchivs musste aus Kostengründen auf die ursprünglich geplante Unterbringung der Kunst- und Museumsbibliothek verzichtet werden;

    • das Projekt Archäologische Zone/Jüdisches Museum ist allein durch die Überschreitung der Grabungskosten um ca. 5 Mio. und eine weitere Umplanung in einem Zustand, der es der Verwaltung z. Zt. nach eigenen Angaben nicht möglich macht, die Gesamtkosten zu beziffern;

    • der in Aussicht genommene Erweiterungsbau des Wallraf-Richartz-Museums auf dem Kutz-Gelände, der gemäß Verwaltungsvorschlag durch einen Investor realisiert werden soll, um später von der Stadt gekauft zu werden, ist für die notwendigen Umbauten im Altbau und beim Verbindungstunnel zwischen beiden Häusern überhaupt nicht "eingepreist";

    • Im Rautenstrauch-Joest-Museum am Neumarkt schieben Mitarbeiter Brandwache, weil die Sprinkler-Anlage drei Jahre nach Betriebsaufnahme erneuert werden muss. Gleichzeitig ist das alte Gebäude am Ubierring immer noch nicht geräumt und der Depotbestand vom Pilz befallen.

  1. Es fehlt ein Konzept für eine zukunftsweisende Unterbringung aller Depots der städtischen Museen, von einer systematischen Provenienz-Forschung für eventuelle NS-Raubkunst ganz zu schweigen.

  2. Der laufende Haushalt weist trotz eingetretener Verbesserungen immer noch eine Deckungslücke im dreistelligen Millionenbereich auf.

Wie unter diesen Umständen eine realistische Finanzierung für die geplante "Museumsinsel" am Dom aussehen soll, bleibt das Geheimnis der Freunde großer Würfe."

Ein Lichtblick bleibt: auch wenn die beiden Museums-Direktoren Mario Kramp (Stadtmuseum) und Marcus Trier (RGM) den großen Wurf euphorisch begrüßen und darüber die alte Bauernregel "ein Spatz auf der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach" vergessen, scheint die Kulturdezernentin sicht nicht uneingeschränkt den Großwurf-Freunden angeschlossen zu haben. Immerhin sagte sie, obwohl sie den Vorschlag natürlich "toll" findet: "Nun müssen wir schauen, ob dies realisierbar ist". Wahrscheinlich war sie beim Herrenessen nicht dabei.

gez. Andreas Henseler

 

Letzte Änderung am Montag, 31 März 2014 14:09
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